Die Stadt holt Luft.
In der beginnenden Dunkelheit löst sich das Stirnrunzeln der Häuser. Schwarzer Schmelz, der die Straßen füllt, fast greifbar. Kälte und Nacht, Schwestern im Geiste, flanieren, wo gerade noch die Herde getrieben von den Wölfen der Festtagsangebote ziellos auf und nieder hastete.
Vereinzelt verdrängen Inseln des Lichts den dunklen Staub, der alles füllt mit winzigen schwarzen Löchen. Helligkeit, auf die Straßen gespien von den verbliebenen Zufluchtsstätten für verlorene Seelen.
Die einen, elegant gekleidete Schaufensterpuppen vor überteuerten Cafés, betrunken von Champagner und Selbstüberschätzung, inhaltsleere Automaten ohne Träume, dafür mit Zielsetzungen. Die anderen, müde, ruhig oder voll Vorfreude, eine transiente Gesellschaft, die es nicht nötig hat, zu sprechen. Gedankentreibend sitzen sie vor einem letzten Cappuccino mit Hafermilch, vor einem Lachs-Avocado-Panino. Ein Teil von ihnen ist schon anderswo, unter einem Weihnachtsbaum, bei Freunden, in fremden Armen.
Oder zu Hause, zu einem Abend, wie jeder andere.
Draußen eilt eine Schwerbepackte vorbei, zu einem späten Zug in die Ferne, die sie Heimat nennt. Vielleicht ist sie auch gerade angekommen, auf dem Weg zu ihrer Wohnung voll mit Leben, ihren Lieben und dem unweigerlichen Familienstreit.
Vielleicht sind dort dunkle vier Wände, noch kalt von ihrer Abwesenheit, und sie erwartet ein Abend mit Serien-Binge und Asia-Noodles.
Es wird noch stiller. Die letzten Gäste brechen auf, ihre Ziele so verschieden wie die Schuhe die sie dorthin tragen. Man kann ihre Träume spüren an su einem Abend, sind eine Substanz, die das Leben erträglicher macht, eine Droge, nur einmal ausgeteilt im Jahr von dem Geist der Hoffnungen und Wünsche.
Der Barkeep poliert die Theke. Wenn die Tür sich öffnet, reicht ein Schwall freundlich klarer Kälte in den Raum und berührt mich sanft an den Wangen.
Ich nehme einen Schluck Kaffee.
Ich bin